elegant cycling

Ein Berliner auf Liegerad-Tour

Berlin-Bremen Tag 2/3 (Munster)

Die erste Nacht ist kurz, denn schon um 4:50 klingelt der Wecker und lässt mich in meinem Zelt hochfahren. Nein, so masochistisch bin ich nicht, dass ich meinen eigenen Wecker auf diese unmenschliche Zeit stelle. Stattdessen ist es die erste Amsel(?) die mit zarten Tönen den neuen Tag (welchen, ist doch noch stockdunkel?) begrüßt. An eine einzelne Amsel gewöhnt man sich schnell, aber der Campingplatz von Arendsee liegt mitten im Wald und schon bald sind keine einzelnen Vogelstimmen mehr auseinanderzuhalten, es ist ein einziges Crescendo. An Schlaf ist für die nächste Stunde nicht mehr zu denken. Ich nehme mir fest vor, nächstes Mal Ohropax mitzunehmen.


Nach einem ersten etwas einseitigen Frühstück auf dem Camping-Platz freue ich mich, dass Samstag ist und ich frisches Obst im Ort bekomme um den durch die Not-Pommes vom Vorabend hervorgerufenen eklatanten Vitaminmangel wieder auszugleichen.  
Ich genieße noch kurz die Morgenstimmung am Arendsee (nein, die Bäume sind dort nicht wirklich so krumm, wie sie das Fischaugen-Objektiv meiner “Not-Kamera” darstellt). Dann starte ich mit frischer Energie in Richtung Munster. Heute kommt richtige Urlaubsstimmung auf, wie so oft, wenn man einmal “Tapetenwechsel” hinter sich hat und die Tour direkt im Grünen startet.

Der Ostwind hat deutlich aufgefrischt und so genieße ich das mühelose Dahingleiten auf der ruhigen Landstraße, während ich mir noch einen “Bio-Superzündi” mit Bananengeschmack zische.  Im Wendland kurz hinter der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze fallen mir zunächst die deutlichen architektonischen Unterschiede der Häuser im Vergleich zum “Osten” auf. Es ist eine eigenartige faszinierende Mischung aus roten Backsteinbauten und Fachwerkhäusern. Immer wieder wird die Idylle jedoch durch “Andenken” an die Proteste gegen die letzten Atommüll-Transporte (Gorleben lässt grüßen) durchbrochen.

Hinter Bockleben nimmt Radweit.de eine geniale “Abkürzung” über kleine, perfekt asphaltierte Wirtschaftswege bis Lübbow. Diese Route ist nicht wirklich kürzer als über die Landstraße, aber bedeutend schöner.

In irgendeinem der kleinen Dörfer wird meine Fahrt plötzlich unvermittelt unterbrochen. Ja, ich habe das “Durchfahrt verboten” Schild gesehen. Und nein, ich möchte keinen kilometerweiten Umweg in Kauf nehmen, weil ein paar Wichtigtuer nicht für eine halbe Minute ihre Arbeit unterbrechen wollen. Durch die entstehende Diskussion vergeht letztlich noch mehr Zeit, aber schließlich werde ich doch noch widerwillig durchgelassen – “vielen Dank für Ihr Verständnis”.

Ich fahre weiter über Felder, Dörfer mit roten Backsteinbauten, Felder und noch mehr Dörfer mit roten Backsteinbauten. Alles sehr hübsch und es wirkt auf mich schon wie “Ausland”.

Echte “touristische Höhepunkte” gibt es auf dieser Radweit-Strecke nicht, für einen Städter wie mich ist aber bereits eine Straußenfarm eine Sehenswürdigkeit. Vielleicht mache ich nächstes Mal einen Abstecher nach Uelzen.

Dass Munster nicht mehr weit ist, ist bald deutlich zu sehen. Munster ist viertgrößter Standort der Bundeswehr (Wikipedia) mit großen Truppenübungsplätzen. Etwas eigenartig wirkt es schon, dass alle 50 m auf Lebensgefahr hingewiesen wird, aber irgendwelche echten Begrenzungen gibt es nicht.

Der Radweg an der B71 ist brauchbar, wenn auch aufgrund des geringen Autoverkehrs nicht unbedingt notwendig. Dennoch fahre ich auf Überlandstrecken lieber auf straßenbegleitenden Radwegen, wenn deren Qualität so wie hier stimmt.

In Oerrel verpasse ich fast den Abzweig nach Munster, freue mich dann aber über die sich dadurch ergebende Gelegenheit für ein schönes Frühlingsbild.

Als ich in Munster ankomme, bin ich trotz des vielen Rückenwindes ziemlich geschafft. Die Strecke hat einige Höhenmeter – nichts dramatisches, aber es läppert sich. Mir stecken noch die 160 km vom Vortag in den Beinen und das Fahren mit etwas mehr Gepäck als sonst ist auch ungewohnt. So entscheide ich mich gegen Campen und stattdessen für das “all inclusive” Angebot des Hotels “Deutsches Haus”. Gutes Essen und gemütliches Zimmer. Ohne Nachfragen meinerseits wird  mir gleich eine sichere Radunterbringung angeboten. Einziges Manko: zu kurze Betten.

Wie es weiter geht und warum die Etappe von Munster bis Bremen die schönste ist, erfahrt ihr im nächsten Blog-Eintrag.

Download Track (GPX) – Route von Radweit.de (Berlin-Bremen), Navigationsfehler vorbehalten



Ein Kommentar zu “Berlin-Bremen Tag 2/3 (Munster)”

  1. Verkehrsrot schreibt:

    Ohropax war mal. Heute nimmt man Q-Zone.

    http://www.globetrotter.de/de/shop/detail.php?mod_nr=128070&k_id=

    Meine wärmste Empfehlung für Campingplätze. Auf denen ja *immer* irgendjemand oder irgendetwas Krach macht. Q-Zone sind die besten Ohrenstöpsel, die ich je in meinen Ohren hatte. Und sogar ein paar Gramm leichter als die Original “Ohropax” (aus “schwerem” Wachs) – frelich ist der Gewichtsunterschied so gering, dass man genausogut 1 bar Luft aus den Reifen lassen könnte… – aber mancher zählt ja jedes Gramm…

Einen Kommentar hinterlassen