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Ein Berliner auf Liegerad-Tour

Berlin-Bremen +2 (Abschlusstag)

Heute ist der Abschlusstag meiner Tour, denn schon um 13 Uhr will ich mit dem Regionalexpress zunächst bis Hannover und von dort mit dem IC zurück nach Berlin fahren.

Für eine längere Strecke reicht die Zeit nicht mehr, aber zumindest die 600 km möchte ich noch voll machen. Durch die letzten vier Tage stehen bereits 560 km auf dem Tacho. Eine gemütliche Fahrt entlang der Nordseeküste soll es werden, um die Tour langsam ausklingen zu lassen.


Der Wettergott meint es wieder sehr gut und so cruise ich unter blauem Himmel durch den Hafen von Norddeich (Mole).

Um 9 Uhr morgens sind auf der Mole außer mir nur noch ein älterer Herr mit Rad und ein Jogger unterwegs und so nehme ich mir Zeit, um die stille Atmosphäre dieses Ortes zu genießen. Die frische, salzhaltige Luft atmet sich wunderbar, dazu kommt der weite Blick und die faszinierende Gezeitenwirkung – die Ebbe setzt gerade ein. Am Horizont sind ein paar Schiffe zu erkennen.

Auf dem Norddeich Richtung Südwesten gebe ich mich zunächst der Illusion der Unendlichkeit hin, erst später kommen die etwas lästigen Schaf-Tore, die die Fahrt immer wieder unterbrechen. Manch einem ist diese Kulturlandschaft zu karg, ich finde sie jedoch faszinierender als die Ostseeküste. Vielleicht ist es etwas anderes wenn man hier länger lebt, dann wird es mit der Zeit wohl etwas eintönig.

An einer Stelle macht der Deich einen scharfen Knick, dort hat man von der Deichkrone einen wunderbaren 360° Panorama-Blick. Eine Bank lädt zum Verweilen ein (auf der Wiese sitzt man eher nicht, wegen der Schafk***e).

Ich will mir das Watt näher ansehen und wenn man entlang der Befestigungsanlagen läuft, ist das teilweise sogar ohne Ausziehen der Schuhe möglich (wenn man die Matschstellen beherzt überspringt). Barfuß ist im Schlickwatt generell nicht zu empfehlen, man kann sich leicht an im Schlick vergrabenen Muscheln schneiden. Note to self: nächstes Mal Surfschuhe mitnehmen.

Als ich einige Meter auf das Watt hinausgelaufen bin, wird die Stille plötzlich durchbrochen. Vom Land her kommen hunderte von Vögeln im losen Formationsflug, ein faszinierendes optisches und akustisches Ereignis.

Es könnten evtl. Graugänse gewesen sein, die ich wenig später an anderer Stelle des Watts antreffe. Bitte korrigiert mich, wenn es auf dem obigen Bild doch keine Graugänse sind.

Ich wage mich noch etwas weiter ins Watt, bis es wirklich nicht mehr weiter geht. Jedenfalls nicht mit Schuhen, die man anschließend noch zum Radfahren braucht. Beeindruckend die Vorstellung, dass hier vor einigen Stunden noch alles komplett unter Wasser stand, wie die Algen auf den Befestigungen andeuten.

Auch wenn das Watt auf den ersten Blick öde und eintönig erscheint, aus der Nähe kann man viele interessante Details wie diesen “Mikro-Wald” entdecken.

Auf der Rückfahrt verabschiede ich mich noch von der hiesigen “Bevölkerung”, schreibe in Norddeich (Mole) noch ein paar Postkarten und steige in den bereits wartenden RE Richtung Hannover.

Die gesamte Rückfahrt mit der Bahn bis Berlin dauert knapp 7 Stunden, die mir aber nicht sehr lange vorkommen. Ich bin noch genug damit beschäftigt, die Erlebnisse zu verarbeiten. Bei einer Flugreise würde mir das fehlen, der Übergang wäre zu abrupt, der Urlaub scheint im Rückblick dann nur wie ein Traum gewesen zu sein. So aber habe ich genügend Zeit, um mich mental langsam wieder auf die Großstadt einzustellen.

 

 

 



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