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Ein Berliner auf Liegerad-Tour

Feier-Nacht-Runde

Spät ist es, als ich die Speedmachine endlich aus der Tiefgarage meiner Arbeitsstelle befreie. Herrliches sommerliches Wetter zwar, aber zu spät, um noch ein größere Runde zu drehen, ganz aus dem Großstadt-Mief Berlins herauszukommen. Allerdings fährt es sich nach 22 Uhr auch in der Innenstadt schon viel angenehmer, wenn die endlosen Autokolonnen des Berufsverkehrs verschwunden sind. Und so will ich wenigstens die Heimfahrt ein wenig verlängern.


Die Blaue Stunde hat bereits eingesetzt, als ich in der Friedrichstraße losfahre. Es weht nur ein leichter Wind. Ich fahre zunächst über kleine Nebenstraßen bis zur Köpenicker Straße und folge dieser parallel zur Spree Richtung Skalitzer Straße. Die Köpenicker erlaubt als Hauptstraße gutes Vorrankommen, Ampeln sind relativ dünn gesät und bei mäßig zügiger Fahrweise (30 km/h) kann man die grüne Welle gut absurfen.

Auf der Oberbaumbrücke mache ich einen Fotostopp und mir fällt auf, dass ich hier noch nie zum Fotografieren angehalten habe. Normalerweise schrecken mich die Standard-Postkartenmotive Berlins eher ab, heute finde ich hier etwas, das mich innehalten lässt.

Weiter geht es über Warschauer Straße und Frankfurter Tor auf die Storkower Straße. Diese lädt aufgrund der relativ geringen Ampeldichte wieder zu etwas flotterer Fahrt ein.

Schnell beschleunige ich auf 30, 35, treibe den Bio-Motor auf 120 UPM hoch, kratze an der 40. Für ein paar hundert Meter steht sogar die 45 auf dem Tacho. Ich will mich heute jedoch nicht kaputt machen und falle wieder in gemäßigte Zonen zurück. Schön, wie mühelos sich die 30 plötzlich anfühlt!

Nach knapp 12 Kilometern zu Hause angekommen, fehlt doch noch irgendwas. Jetzt einfach so ins Bett gehen? Ich beschließe, den Tag gemütlich bei Eis und Pils am Nordkreuz ausklingen zu lassen. Auf der Behmstraßenbrücke genieße ich die Weitsicht – nach Süden bis zum Fernsehturm – und unter mir rauschen S-Bahn, Regionalexpress und ICE vorbei.

So langsam kommt der Sommer wieder – lange Abende, laue Luft, nachts im T-Shirt radeln – heute war das nach all den Regentagen schon wieder richtig nett.

Fazit: es muss nicht immer der große, zeitaufwändige Feierabendtrip “ins Grüne” sein, wichtig ist mir nur, ab und an mal aus dem Alltagstrott auszubrechen.

 



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