elegant cycling

Ein Berliner auf Liegerad-Tour

Gamensee-Runde

Es ist Sonntag. Der Himmel ist zwar bedeckt, soll aber im Laufe des Nachmittags noch etwas aufklaren – das reicht mir, um mich zu einer Ausfahrt mit der Speedmachine zu motivieren.

Als Ziel habe ich mir den Gamensee, östlich von Berlin im Land Brandenburg gelegen, auserkoren. Mit dem Gamensee verbinde ich vor allem Kindheitserinnerungen. Damals gab es noch die mittlerweile (2006) eingestellte Bahnverbindung von Ahrensfelde nach Tiefensee, somit war der Gamensee ein auch ohne Auto gut erreichbares Ausflugsziel. Nun, ein Auto brauche ich auch heute nicht, denn ich habe ja die Speedmachine!


Um von Prenzlauer Berg schnell Richtung Nordosten aus Berlin herauszukommen, nutze ich meine Standardroute, die zunächst auf ruhigen Nebenstraßen über Weißensee nach Malchow führt.

Hinter Malchow nutze ich den exzellenten straßenbegleitenden Radweg (beidseitig!) an der B2 bis Lindenberg. Zwischen Lindenberg und Schwanebeck gibt es leider keinen Radweg , allerdings fließt am Sonntagnachmittag der meiste Verkehr schon wieder stadteinwärts, so dass die B2 in meiner Richtung nur eine mäßige KFZ-Belastung aufweist.

Kurz hinter Schwanebeck verlasse ich die B2 und weiter geht es nahezu autofrei auf dem Börnicker Landweg.

Der benutzungspflichtige “Radweg” ab Birkenhöhe sorgt neben seiner Benutzungspflicht vor allem durch die doppelten Schikanen für Unmut. Warum traut man es anscheinend nur KFZ-Fahrern zu, ein Stopp- bzw. Vorfahrtsschild zu beachten? Schikanen dagegen lenken meiner Meinung nach eher die Aufmerksamkeit vom Querverkehr ab und sind somit kontraproduktiv.

Über Börnicke fahre ich weiter nach Wilmersdorf. Hier gibt es als touristischen Höhepunkt einen Doppel-Kirchturm und ein Storchennest zu bewundern.

Hinter Wilmersdorf wird der Asphalt deutlich schlechter. Im Bild kann man es erahnen – vor allem die rechte Straßenhälfte ist hier sehr wellig. Das ändert sich bis Tiefensee nicht wesentlich.
Da hilft es nur, beherzt in Straßenmitte zu fahren und den Rückspiegel im Auge zu behalten, um die Straße für die seltenen KFZs rechtzeitig wieder freizumachen.

In Freudenberg gilt es, einige hundert Meter übelstes “Katzenkopfsteinpflaster” zu überwinden. Das ist mit der vollgefederten Speedmachine zwar noch komfortabler als mit einem ungefederten Aufrechtrad, wirklich Spaß macht es aber dennoch nicht.

In Tiefensee schaue ich mir die Station der Draisinen-Bahn an, finde aber ein viel faszinierenderes Fotomotiv direkt daneben. Mißtrauisch werde ich gefragt, was mein Anliegen sei. Ich erkläre, dass ich einfach nur meinem Hobby nachgehe. Darauf kommt die Antwort, dass das Fotografieren der Graffiti ja wohl kein Hobby sein könne!?

Nach weniger als 50 km komme ich am Gamensee an. Passenderweise kommt gerade etwas Sonne zum Vorschein. Den See hatte ich sauberer in Erinnerung, aber ich bin wohl mittlerweile von einigen glasklaren Mecklenburger Seen verwöhnt. Für Brandenburger Verhältnisse ist die Wasserqualität gut.

Ich schwimme einige Runden, behalte dabei aber Rad und vor allem Gepäck im Auge. Seit ich an einem Sonntag vor 7(!) Uhr morgens am Bötzsee unfreiwillig um Kamera und Handy erleichtert wurde, bin ich “gebranntes Kind”. Das Schwimmen scheint mir überhaupt ein guter Ausgleich zum (Liege-)Radfahren zu sein, so will ich versuchen künftig möglichst immer einen See in meine Route einzubauen.

Auf der Rückfahrt übe ich mich zunächst im “Liegerad-Cross”, mit den 42er Marathon Racer Reifen sind Waldwege durchaus machbar, solange keine loser Sand zu durchfahren ist.

Zurück will ich über Wesendahl und Altlandsberg fahren um eine echte “Runde”  zu absolvieren. Außerdem will ich schauen, ob auf dieser Route die Asphaltqualität besser ist (ist sie!).

Während einer Pinkelpause werde ich von einem Rennradler überholt – ich kann es nicht lassen und hänge mich dran. Ego? Nööö – ein bisschen Spaß muss sein und außer Rennradlern trauen sich ja sonst kaum andere Radfahrer auf die Landstraßen.

Die Sonne liefert sich ein reizendes Schauspiel mit den Wolken und so komme ich nicht umhin, dieses Windräder-“Werbebild” kurz vor Wegendorf aufzunehmen.

Ab Altlandsberg wähle ich den altbekannten “Schleichweg” Richtung Mehrow. Der Radweg führt hier abseits der Straße geradlinig über Feld und Wiesen und ist nicht wesentlich länger als die Straßenverbindung. So stelle ich mir den perfekten Radweg vor. Mehr davon!

Ab Ahrensfelde ist die Route nicht mehr so schön, da der KFZ-Verkehr hier wieder deutlich zunimmt. Ich entschließe mich dennoch für die Schnellverbindung über Falkenberg und Hohenschönhausen. Eine schönere Alternativroute führt Richtung Lindenberg (straßenbegleitender Radweg) und folgt dort wieder der B2 (beidseitiger Radweg).

Sonnen- und Wettergott ziehen nochmal alle Effektregister, und so geht es unter glühend orangenem Himmel bis nach Hause. Ein herrlicher Abschluss für eine schöne Tour!

 

Download Track (GPX)



Einen Kommentar hinterlassen