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Ein Berliner auf Liegerad-Tour

Erster 100er in 2012

Keine drei Wochen mehr bis zum Frühlingsanfang und das Wetter spielt auch schon super mit, Temperaturen bis zu 10°C sind keine Seltenheit mehr.

Diesen Samstagmorgen ist die Temperatur noch dichter an 0 als an 10°C, aber die Sonne scheint und im Laufe des Tages soll es noch wärmer werden.

Auf dem Navi speichere ich einen Track Richtung Osten: Erstmal auf der “Standardroute” über Malchow raus aus der Stadt, dann über Lindenberg, Ahrensfelde, Altlandsberg nach Strausberg. Von dort der “Tour Brandenburg” Radroute weiter Richtung Osten folgen. Zurück per ODEG von Küstrin-Kietz oder bei ganz schlimmen Konditionsproblemen per OE von Wriezen (allerdings mit langer Fahrtzeit verbunden). Soweit der Plan.

Ich starte relativ spät, um die Morgenkälte abzuwarten, gerate so aber leider in den Berliner “Samstagmorgen-Baumarktverkehr”. Mein Adrenalinpegel schnellt ungewollt in die Höhe, als mir im Kreisverkehr die Vorfahrt genommen wird. Der Typ schaute nicht mal in meine Richtung und hätte wohl jeden “abgeschossen”, der auf “seinem Recht” beharrt hätte – egal ob Radler oder Autler. Mein defensiver Fahrstil bewährt sich mal wieder.

Der Adrenalinspiegel bleibt oben, als ich kurze Zeit später völlig grundlos angehupt werde (auf gerader Strecke mit nicht-benutzungspflichtigem Hochbordradweg).

Plötzlich sehe ich ein merkwürdiges Fahrzeug vor mir, das anhand der markanten Bike-Flag schnell identifiziert ist. Es ist Klaus auf seiner Streetmachine, den ich schon von früheren Touren kenne. Er schließt sich trotz Einwänden bzgl. des zu erwartenden Ostwindes meiner Tour an. Man kann sich schließlich nicht immer den Wetterlaunen unterwerfen!

Ab Malchow ist die Route sehr entspannt durch gute straßenbegleitende Radwege fast durchgängig bis Ahrensfelde fahrbar. Ein kurzer unvermeidlicher Stauabschnitt in Ahrensfelde, dann geht es weiter auf der relativ ruhigen Landstraße bis Mehrow.

Hinter Mehrow wird es noch ruhiger und wir nutzen ab Trappenfelde ein Teilstück des ZR1-Radweges, der uns bis Strausberg bringt.

Strausberg will ich dieses Mal auf der linken Seite des Straussees (L23) umfahren, nachdem ich die Ortsdurchfahrt vom letzten Mal ob des starken Verkehrs noch negativ in Erinnerung hatte. Wesentlich ruhiger ist diese Seite auch nicht, wenngleich man hier besser vorran kommt. Und die Fahrspuren sind breit genug, dass die Autler mit ausreichendem Abstand überholen können und wir niemanden behindern.

Alternativ kann man ab Altlandsberg “oben lang” über Wesendahl fahren – diese Strecke ist knapp 1,8 km länger (wenn man den Cross-Abschnitt über Wegendorf umfährt) aber wesentlich ruhiger.

In Strausberg erreichen wir den touristischen Höhepunkt der Tour, den Sportflugplatz, der bis 1992 noch militärisch genutzt wurde.
Beeindruckend winzig sind diese Sportflugzeuge, die kleiner als mancher PKW sind.

Der “Tour Brandenburg” Radweg begeistert ab Strausberg durch schöne, leicht hügelige Landschaft und glatten Asphalt abseits des KFZ-Verkehrs. Hügelig? Laut meinem Navi geht es in Wellen bis auf knapp 100 m hinauf, nicht wirklich dramatisch, aber nach der Winterpause doch in den Waden zu spüren. Der Gegenwind tut sein übriges.

Selbst die Straßen muten hier eher wie Radwege an, kilometerlang kein Auto weit und breit. Die Luft, die von den frisch gepflügten, Gülle-gedünkten Feldern herüberzieht, riecht  schon sehr nach Frühling. Die Natur liegt bis auf ein paar Schneeglöckchen noch weitestgehend im Winterschlaf.

Über Wriezen  könnte man dem Oderbruchbahn-Radweg bis an die Oder folgen, nach Küstrin-Kietz wäre dieser aber ein zu großer Umweg. Mein Track soll uns über Land- und Kreisstraßen auf direkterem Wege dort hin bringen. Ein Hauch von Abenteuer, denn dieser Abschnitt ist für mich ganz neu.

Zunächst ist die Straßenqualität noch akzeptabel…

… sinkt aber immer weiter ab, so dass wir bald nur noch langsam vorrankommen. Die Kreisstraßen sind hier kaum mehr zu gebrauchen. Ich lobe mir mal wieder den Entschluss zum vollgefederten Rad.

Langsam neigt sich der Tag dem Ende entgegen und wir sind noch ein gutes Stück von Küstrin-Kietz entfernt. Klaus hat am Abend noch etwas vor und wir haben beide auch genug, um uns nicht noch weitere Gegenwind-Kilometer an der Oder antun zu müssen. So entschließen wir uns in Letschin, die Tour abzukürzen und die nächstgelegene ODEG-Station der Linie Küstrin-Lichtenberg anzusteuern.

Dem R1 folgend, fahren wir in Richtung Sonnenuntergang. Die Abendstimmung und das Ziel vor Augen geben einen Kräfteschub.

Der Oderbruch macht sich zum Abschied nochmal hübsch.

Zeitlich hat es richtig gut geklappt, so dass wir es uns kurz nach Ankunft in Gusow im ODEG gemütlich machen können, der uns in einer Stunde nach Berlin-Lichtenberg bringt.

Fazit:  Eine schöne Tour, die für den Saisonanfang jedoch schon fast grenzwertig war. Bei mir war gar nicht mal der Gegenwind oder die Streckenlänge, sondern die Ernährung das Hauptproblem. Irgendwie scheint mein Körper noch nicht wieder an das kohlenhydratreiche Zeug gewöhnt zu sein, dass man auf Radtouren üblicherweise zu sich nimmt und quittierte das mit leichten Magenproblemen.  Dadurch fehlte mir zum Ende hin, wo die Langzeitspeicher weitgehend geleert sind, die Energie. Aber das sollte sich mit den nächsten Touren langsam wieder geben.

 

Track Berlin-Strausberg-Gusow



Ein Kommentar zu “Erster 100er in 2012”

  1. Verkehrsrot schreibt:

    Gut, dass wir ab Letschin dem R1 im leichten Zickzack gefolgt sind, und nicht der Hauptstraße – sonst wäre es womöglich ganz knapp kein 100er geworden 😉

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